Osterpredigt – PodCast und Text
Hier die Osterpredigt vom Ostersonntag in Dornach. Oben als Podcast.
«Am Ende ist alles gut. Und ist es nicht gut, ist es noch nicht das Ende.» Oscar Wilde
Wir lieben Happy Ends in Filmen. Ein gutes Ende macht uns zufrieden – es fühlt sich rund an. Plötzlich macht all der Stress, den die Hauptfigur vorher durchmachen musste, irgendwie Sinn. Das ist schon verrückt: Wenn es uns gut geht, schauen wir auf die Dinge anders zurück. Auch das, was uns vielleicht mal richtig fertig gemacht hat, wirkt auf einmal gar nicht mehr so schlimm – weil wir merken: Genau das hat uns an diesen Punkt gebracht. Zum Glück habe ich den Zug verpasst – sonst hätte ich nie diesen tollen Menschen kennengelernt. Die Krankheit hat mir gezeigt, wie wichtig meine Gesundheit wirklich ist und wie ich besser mit mir umgehen soll. Weil ich meinen Job verloren habe, musste ich mich fragen, was ich eigentlich wirklich machen will – und habe am Ende meinen Traumjob gefunden. Solche Sätze hört man nicht selten. Meistens sagen wir sie im Rückblick – dann, wenn es uns wieder gut geht. Klar: Wenn man gerade mitten in einer schwierigen Phase steckt, helfen solche Aussagen nicht wirklich. Sie sind auch manchmal verletzend oder sie trösten nicht sofort. Trotzdem sie geben etwas: Hoffnung. Die Hoffnung, dass das, was gerade schwer ist, nicht das letzte Wort hat. Dass auch aus richtig schlimmen Erfahrungen irgendwann etwas Gutes entstehen kann.
Im christlichen Glauben an die Auferstehung ist diese Hoffnung im Zentrum: Am Ende ist alles gut. Das Gute – die Liebe – hat das letzte Wort. Und wenn das wirklich so ist, dann sehen wir irgendwann alles, was passiert ist, in einem neuen Licht. Dann macht auch das Schwere rückblickend Sinn – weil es Teil eines grösseren Ganzen war. Diese Hoffnung kann uns tragen. Sogar über den Tod hinaus – in ein neues Leben, voller Glück, eingetaucht in einen Ozean aus unendlicher Liebe.
„Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!“ Heisst es in der Lesung.
Genau das meint diese Hoffnung.
Dass wir unseren Blick nicht nur auf das richten, was gerade schwer ist –
sondern auf das, was trägt.
Auf das Gute. Auf die Liebe. Auf Gott.
Sie wie ein Kompass, der uns die Richtung anzeigt, in die wir in jedem Moment zumindest einen Schritt machen können. Und noch einen einen Schritt und noch einen. Wenn wir uns auf das ausrichten, was „oben ist“, sozusagen unser Norden vom Kompass ausrichten
dann bekommt unser Leben eine neue Perspektive.
Dann schauen wir nicht nur von unten – mitten im Problem. Sondern auch von oben. Reinhard May sing so schön „Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen blieben darunter verborgen.“
Und von oben gesehen
fügt sich vieles zusammen.
Was unten chaotisch wirkt,
bekommt plötzlich Sinn.
Wie etwas im Nachhinein gut sein kann, führt uns die schöne Parabel gut vor Augen:
«Eines Tages lief einem Bauern das einzige Pferd fort. Da kamen seine Nachbarn zusammen und riefen: „Welch ein Unglück!“ Der Bauer aber antwortete: „Unglück oder Glück – wer weiss?“ Nach einigen Tagen kehrte das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit. Da sagten die Nachbarn: „Jetzt hast du zwei Pferde! Was für ein Glück!“ Der Bauer sagte: „Unglück oder Glück – wer weiss?“ Das Wildpferd wurde vom Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“ – Aber der Bauer sagte nur: „Unglück oder Glück – wer weiss?“Kurz darauf brach ein Krieg aus und alle jungen Männer wurden eingezogen, nur der Sohn des Bauern nicht, weil sein Bein gebrochen war. Da riefen die Nachbarn: „Welch ein Glück!“ …»
Ja, aus etwas negativem kann was Gutes entstehen.
Im Evangelium sehen wir genau das.
Maria Magdalena, Petrus und der andere Jünger stehen vor dem leeren Grab.
Sie sehen – aber sie verstehen nicht.
Alles wirkt wie ein Durcheinander. Sie haben die sehr schlimme Passion von Jesus erlebt. Wie ein Ende ohne Sinn.
Erst später als sie Jesus begegnen begreifen sie:
Das ist nicht das Ende gewesen.
Das ist der Anfang.
Erst nach der Auferstehung
sehen sie den Sinn hinter dem Leiden Jesu.
Nicht vorher.
Im Nachhinein.
Vom guten Ende her.
Und genau das ist Ostern:
Dass wir lernen, unser Leben
vom guten Ende her zu sehen. Von oben. Dass wir darauf vertrauen:
Es wird Sinn machen.
Dass wir glauben: Gott, der die Liebe ist, hat das letzte Wort.
Die Auferstehung hat das letzte Wort. Ostern hat das letzte Wort.
Basil Schweri
